Endlich Internet

Hallo ihr in der fernen Heimat,

 

ich bin jetzt seit Mittwoch in meinem Projekt und habe nun zum ersten Mal Zugang zu einem Computer mit leider sehr langsamer Internetverbindung.

Es gibt viel zu erzaehlen, ich versuche ein bisschen was zu schreiben, werde aber sicher nicht alles schaffen.

Die letzten Tage in Ha Noi hatte ich eine recht schoene Zeit, Frido und ich sind am Sonntag ins Schwimmbad gegangen. Um hinzukommen sind wir das erste Mal mit einem "xe om" gefahren, das ist ein Motoradtaxi, wo man eben hinter dem Fahrer auf dem Mofa sitzt und er einen irgendwo hinfaehrt. Bei dem Verkehr hier ist das irgendwie ziemlich unheimlich, gleichzeitig aber total lustig.

Im Schwimmbad haben wir recht lustige Sachen erlebt, so waren wir zum Einen die einzigen Westler und alles war auf Vietnamesisch. Nachdem wir am Eingang jeweils zwei Eintrittskarten bekommen hatten gingen wir rein und standen erstmal 10 Minuten herum, wo wir versuchten rauszufinden wo man sich denn nun umzieht. Ich sah leider nur wenige Frauen und erst recht keine mit Bikini, die tragen hier wenn ueberhaupt Badeanzuege, viel oefter aber laengere Badeshorts und weite lange Oberteile. Ich fuehlte mich also recht unwohl und behielt meinen Rock erstmal an und dann gingen wir zu so einer Art Garderobe, wo wir alle Sachen (auch Handtuch und FlipFlops) in schwarze Plastiktueten tun und dann aufgeben mussten. Naja, das haben wir dann gmeacht und dachten der Stress waere vorbei, da versuchten uns die Leute dort auf Vietnamesisch deutlich zu machen, dass wir eines unserer Eintrittskaertchen bracuhten, um es auf der schwarzen Plastiktuete zu befestigen. Die Kaertchen hatten wir natuerlich in unseren Taschen in den Teuten, so ging der ganze Stress von vorne los, Tueten also wieder auf, Taschen auf und Kaertchen rausgeholt, dann die Tueten zugetackert. Wir wollten uns nun also auf den Weg zum Pool machen, als man uns fragte, ob wir denn unsere Eintritsskarten fuer den Pool dabei haetten....Tja, wo die waren koennt ihr euch ja denken :D

Nachdem wir dann endlich am Wasser waren gab es erstmal Aerger fuer Frido, weil er eine lange Badeshorts trug, wie das ja bei uns in Deutschland ueblich ist. Hier geht sowas aber scheinbar nicht, alle Vietnamesen trugen huebsche Speedos :D Nach ein bisschen diskutieren durften wir dann aber doch ins Wasser und waehnten uns nach ein paar Minuten ungestoerten Schwimmens schon in Sicherheit, als uns einer der Bademeister ansprach und uns erklaerte, dass wir gerade in der Frauenbahn schwammen, was fuer  mich ja auch in Ordnung war, nur Frido musste die Bahn verlassen und in der Maennerbahn schwimmen :D

Achso, ich bin dann mit Bikini ins Wasser gegangen, weil mein Rock nicht so richtig zum Schwimmen gemacht ist, was dann wohl auch in Ordnung war, ein paar von den juengeren Frauen trugen auch welche. Angestarrt wurden Frido und ich aber leider pausenlos, ich weiss nicht, ob ich mich daran jemals gewoehnen werde.

 

Das war also unser Schwimmbaderlebnis. Am nachsten Tag ging es dann ins "Silk Village", wo wir das Entstehen von Seidentuechern verfolgen konnten, was sehr interessant war, allerdings versuchte man uns danach recht hartnaeckig ueberteuerte Tuecher zu verkaufen, wo wir dann recht schnell die Flucht ergriffen. Ansonsten habe ich mir noch eine recht einfache schwarze Hose gekauft, die fuer dieses Wetter ziemlich gut ist, trotz der Farbe. Allerdings ist das hier ein sehr frustrierendes Erlebnis, wenn man nicht gerade Hosengroesse 32 hat :D Dann muss man naemlich nahc vietamesischen Uebergroessen suchen ^^

Dienstag ging es dann zum Friendship Village, etwa 10 Minuten vom peace house weg, wo Millena dieses Jahr arbeiten wird. Besonders spannend war es nicht, der direktor sprach die meiste Zeit ueber irgendetwas und dann gingen wir noch etwa eine halbe Stunde in ein Klassenzimmer, wo ich es irgendwie erschreckend fand was fuer unterschiedliche Behinderungen in einem Raum zusammen unterrichtet wurden und wie wenig auf die unterschiedlichen Beduerfnisse eingegangen wurde So bekamen die Kinder eine Bastelaufgabe, einige konnten sie aber gar nicht erledigen, sondern kritzelten einfach war auf ein Blatt, andere machten ganz andere Sachen. Allerdings war der Einblick ja nur recht kurz und deshalb kann ich dazu mehr nicht sagen, der erst Eindruck war aber nicht unbedingt positiv.

Nachmittags kaufte ich noch ein paar Dinge ein, wie zum Beispiel ein zweites handtuch und eine Taschenlampe, denn am Mittwoch sollte es ja ins Projekt gehen.

Abends fuhren wir dann nach Ha Noi, wo wir uns mit anderen Freiwilligen trafen, unter anderem einem polnischen Freiwilligen, der uns von eim Projekt erzeahlen wollte, dass er gestartet hat und  uns ein bisschen was ueber die Organisation hier und auch ueber das Thuy An Center erzaehlt hat.

Groesstenteils war das Bild ziemlich negativ, trotz dem ersten postiven Eindruck, den meine Orgaisation (VPV) hier macht, erzaehlte er uns von einigen negativen Vorfaellen und dass sich im Zweifelsfall niemand hier um irgendetwas kuemmert. Ich werde das Ganze erstmal auf mich zukommen lassen, aber es ist nicht das erste Mal, dass ich etwas schlechtes ueber die Organisation hoere und es gibt auch inzwischen einge Dinge, die mich hier sehr stoeren. Dazu aber spaeter mehr.

Leider bin ich mir gerade wegen dem genauen Tag nicht mehr sicher, ich glaube Montag Abends sind wir auch nach Ha Noi gefahren, um Karaoke zu singen. Obwohl das hier ganz lustig ist, man bekommt seinen eigenen Raum und kann eine Liederliste schreiben, war der Abend ein ziemlicher Reinfall...

Erstmal dauerte es ewig, bis das erste Lied kam, man bezahlt aber pro Stunde und die Preise waren auch recht hoch. Dann spielten sie zwischendrin immer irgendwelche Lieder (meistens vietnamesische), die keiner aufgeschrieben hatte und dementsprechend keiner singen wollte oder viel mehr konnte.

Die Getraenke waren auch total ueberteuert und letztendlich kamen wir mit 10 Personen auf einen Preis von 80 dollar. Hoert sich vielleicht nach wenig an, ist aber fuer Vietnam stark ueberteuert, vor allem da ich selbst nur ein Bier und ein Wasser getrunken habe, das ist eigentlich kaum 8 dollar wert, vor allem nicht, wenn vielleicht drei Lieder kamen, die man wirklich kannte. Naja, danach sind wir dann nach Hause gefahren, fuer den Abend hatten wir irgendwie genug von der Grossstadt ^^

 

Am Mittwoch Morgen ging es dann in unser Projekt. Nachdem ich eilig alles zusammen gepackt hatte, fuhrenwir mit dem Taxi zur Bushaltestelle (wegen dem Dreck und weil Julias Koffer so schwer und sperrig war). Wir, das sind Chinh von VPV, Juli und ich. Milena blieb ja im Peace House wohnen und Frido war schon morgens um 6 Uhr Richtung Hai Duong aufgebrochen.

Dann setzten wir uns in den Bus und fuhren 1,5 Stunden nach Son Tay. Die Landschaft muss ich sagen war unglaublich, es wurde immer laendlicher, zahlreiche Reisfelder und im Hintergrund konnten wir die Berge sehen. Auch Son Tay sieht nach einem nettenb kleinen Staedtchen aus, leider habe ich davon seitdem kaum noch etwas gesehen, denn hier kommt man nicht so richtig weg.

Von Son Tay aus ging es dann mit dem Taxi zum Thuy An Center. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir noch recht gut, ich war zwar aufgeregt, aber  eben noch motiviert und froehlich. Es war ja auch noch Julia bei mir.

Die Anlage von Thuy An ist auch recht huebsch, mit sehr viel gruen und kleinen Wegen die zu den verschiedenen Gebaeuden fuehren.

Dann gingen wir in ein Zimmer, zu dem ich spaeter noch mehr sagen werde, jedenfalls stellten wir hier unser Gepaeck ab und gingen dann in das Buero des Direktors.

Dieser begruesste uns freundlich uns wir unterhielten uns (Chinh uebersetzte und redete auch die meiste Zeit). Er erzeahlte etwas ueber das Projekt und bedankte sich fuer mein kommen und sagte auch etwas zu den Arbeitszeiten (auch dazu spaeter mehr, offiziell 7:30 - 11:30 Uhr, 13:45 - 16:30 Uhr).

Dann ging es erstmal zum Mittagessen, dass wir zusammen mit dem Direktor und ein paar Staff Mitgliedern einnahmen. Das Essen war eigentlich recht gut, in Vietnam wird so gegessen, dass jeder seine eigene Schale hat und dann viele Gerichte auf dem Tisch stehen undsich jeder nimmt was er moechte. Das einzig Eklige war eine Suppe in der gekochte Kueken schwammen, die sich auch einer der Leute hier froehlich in den Mund steckte und abkaute...Mit fuessen und Schnabel und alles. Das habe ich jedenfalls nicht gegessen ^^

Naja, dann ruhten wir uns erstmal aus und spaeter zeigte uns Chinh die Anlage und einige der Kinder haengten sich sofort an uns dran. Zu diesem Zeitpunnkt war meine Stimmung schon ziemlich schlecht, das Zimmer in dem ich leben sollte, insbesondere das Bad entsprachen irgendwie noch nichtmal Vietnamesischem Standard, es war ueberhaupt nicht klar war ich genau machen soll in den ersten Wochen, es hiess immer nur ich soll mir alles anschauen und mit meinem Mentor sprechen, allerdings spricht der kein Wort Englisch...

Alles in allem war ich halt ziemlich eingeschuechtert von der neuen Situation und ging voller Angst vor dem nachsten Morgen ins Bett.

Donnerstag und Freitag sollten dann auch meine schlimmsten Tage bisher in Vietnam werden. Nachdem Julia und Chinh weg waren, war ich schrecklich alleine, keiner wusste genau was ich machen sollte und niemand hier spricht wirklich Englisch. In meinem Bad funktioniert weder die Toilette, noch die Dusche, ich habe kein richtiges Mueckennetz, denn das Einzige was hier ist, ist zu klein. Von Dreck und Tieren im Zimmer fng ioch gar nicht erst an. Auch ansonsten gibt es keine richtige Duschmoeglichkeit, von warmem Wasser wage ich gar nicht zu traeumen ^^

Die einzelnen Sachen hoeren sich vielleicht nicht so sclhimm an. Ich wusste ja, dass hier ein geringerer Standard herrscht und ich habe mich sehr angestrengt mit so wenig Erwartungen wie moeglich hierher zu kommen. Trotzdem ist es schwierig, sich nie so richtig sauber zu  fuehlen, nicht schlafen zu koennen, weil es so heiss ist und Muecken und andere tiere (z.B ein Frosch in meinem Zimmer) so viel Krach machen und dann morgens aufzustehen und keine richtige Aufgabe zu haben und sich meistens unnuetz und unwillkommen zu fuehlen. Trotzdem hatte ich pausenlos zu tun, denn ich versuchte etwas zu machen, mich in die Klassen zu setzen oder den Kindern beim Essen zu helfen. Da sie hier Abends (4x die Woche 2,5 h Englischklassen veranstalten fuer die Lehrer und ich auch dort mithelfen sollte, habe ich hier theoretischerweise eine 50 Stunden Wochem weil auch die Arbeit vormittags meist laenger dauert. Dann soll ich bei den Mahlzeiten anwesend sein, die sich auch ca. 1 Stunde jeweils hinziehen. So komme ich halt irgendwie zu nichts. Ich hatte auch keine Moeglichkeit ins Internet zu gehen oder jemanden Zuhause zu kontaktieren, weil mein handy keine SMS versenden kann und anrufen zu teuer ist. Ich rief also die anderne Freiwilligen an, um mich mit ihnen auszutauschen ,allerdings hiess es bei allen nur, dass es ihnen so gut geht und sie viel unternehmen und ihnen eigentlich alles gefaellt. Der einzige Rat, du kannst ja wechseln, hat leider nicht wirklich geholfen, denn so einfach ist das hier leider nicht. So sass ich nach der Arbeit alleine in meinem Zimmer und das Heimweh fing richtig an. Zum Glueck konnte ich am Freitag mit meinem Papa sprechen und er hat mich getroestet und ich versuche jetzt zum einen meine Situation zu verbessern und hier mehr anzukommen und mich einzuleben. Trotzdem faellt es mir sehr schwer, ich bin staendig muede und habe zurzeit wieder starke Halsschmerzen. Eine Apotheke gibt es hier leider auch nicht.

Das Wochenende war hin und wieder ganz in Ordnung, davon erzeahle ich das naechste Mal, ich hoffe ich kann hier bald wieder ins Internet. 

Ich versuche mich fuer diese Woche neu zu motivieren und einige Dinge hinzubekommen, also eben hin und wieder Internet, die Waschmaschine erklaeren lassen und meine Arbeitszeiten klaeren, denn offiziell darf ich nur 35 Stunden arbeiten. Ich hoffe wirklich, dass es nach dieser Woche bergauf geht. Morgen Abend will ich mich mit den anderen in Hanoi treffen, denn am Mittwoch ist hier Nationalfeiertag und alle haben frei.

Ich versuche mich bald wieder zu melden. Ich freue mich, dass einige hier meinen Blog lesen und freue mich ueber jedes kommentar und natuerlich auf Fragen ,wenn ihr denn welche habt. Danke liebe Mama, Papa und Fricki, fuers da sein und dass ihr euch jetzt so oft bei mir meldet, dass macht alles einfacher. Liebe Gruesse auch an meinen lieben grossen Bruder und natuerlich an den Kleinen.

Obwohl ich versuche so viel wie moeglich zu schreiben, kann ich leider nicht alles erzaehlen und einige Sachen fallen unter den Tisch. Ich hoffe ihr koennt euch trotzdem ein bissche vorstellen, wie es hier so ist, bald versuche ich auch mal ein paar mehr Fotos zu machen und diese vielleicht sogar online zu stellen. Tut mir Leid Papi, dass ich damit noch nicht so gut war, sobald sich hier alles eingependelt hat versuche ich da mehr zu machen.

 

Ich vermisse euch alle sehr,

 

ganz liebe Gruesse aus Vietnam

 

Sissi

 

31.8.09 05:34

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bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Norman (31.8.09 11:28)
Hey Sissi,

OH FRAU(Mann kann man ja nicht schreiben) das hört sich ja mal alles nicht so super an was DU uns zu berichten hast.
Verlier aber bloss nicht den Mut und den Glauben an Dich, ich bin mir sicher das Du das meistern kannst in Vietnam. Weiss leider nicht wie ich Dir helfen kann, weil ich niemanden kenne der schon mal länger in Vietnam war und Tipps geben könnte, aber ich denke jeden Tag an Dich und drück Dir die Daumen das sich alles zum guten für Dich wendet.
Kommen meine Emails an?
Ein bisschen muss ich bei deinem erlebten an Farin Urlaub denken, was er manchmal so in seinem Gästebuch schreibt.

Lass Dich nicht unterkriegen!

LG & HDL Norman


Fricki (1.9.09 00:46)
Hey Sissi, ich kann meinem Vorredner nur zustimmen.
Lass dich ja nicht unterkriegen, ich bin sicher, dass du das hinkriegst. Meine grandiosen Motivationsreden hast du ja schon am Telefon ertragen müssen, deswegen zu dem Punkt nicht viel mehr, außer: ich hab dich unglaublich lieb und bin verdammt stolz auf dich, dass du dir deine Motivation erhältst!

Später schreib ich mehr, auch was hier so passiert, jetzt muss ich aber erstmal schlafen, bin tierisch müde irgendwie.

Gruß und Kuss,
deine Schwester Fricki


Papi (1.9.09 01:38)
Hallo Sissi, schön endlich mal wieder etwas von Dir zu lesen, auch wenn sich nicht alles so toll anhört, das meiste hattest Du mir allerdings schon am Telefon erzählt, also war ich darauf vorbereitet!

Immerhin kannst Du jetzt ab und zu ins Internet, so kannst Du wenigstens Kontakt halten und alles berichten. Fricki hat mir alles ausgerichtet, was Du ihr aufgetragen hast, also mach Dir keine Gedanken!

Heute (MO) war ich leider zu den Zeiten zu denen man Dich gut erreichen kann nicht zuhause, morgen könnte ich es mittags mal versuchen, abends bin ich auch nicht da. Aber ich werde Dich anrufen sooft es geht und hören wie es Dir geht! :-)

Ich soll Dich auch ganz lieb grüßen, hoffe Deine Halsschmerzen gehen bald weg, und wenn Du Fieber bekommst gehst Du zu einem Arzt, OK? (väterlicher Befehl ;-))

HDGDL

Dein Papi


mami (1.9.09 11:00)
auch von mir einen ganz lieben gruß,
bald telefonieren wir wieder und vielleicht
sind dann ein paar dinge schon geklärt!?
(asiatische mühlen mahlen langsam....).
wenn du ein päckchen mit frosch-spinnen-und
anderem ungeziefervernichtungsmitteln brauchst,
meld dich....frösche kann man ja zur not essen..
wie in frankreich :-))))
hab dich lieb du floh, cc mami

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