Wer hätte gedacht, es kommt noch etwas

Heute habe ich mal wieder erkennen müssen, warum es manchmal von Vorteil sein kann, ein Raucher zu sein. Dann hat man nämlich im Fall der Fälle immer ein Feuerzeug einstecken. Oder zumindest Streichhölzer. So aber habe ich die letzten zwei Stunden in der Küche verbracht, gerade einer der wenigen Orte an meinem Arbeitsplatz mit Licht – und der einzige ungestörte. Inzwischen ist es draußen stockdunkel, die Grillen haben wundersamer weise aufgehört zu zirpen und es tröpfelt nur noch. Ungefähr um 5 Uhr hat es angefangen zu regnen, gleich sehr heftig, doch dies ist hier um diese Jahreszeit mehr oder weniger normal. Die Kinder hatten großen Spaß, hüpften im Regen herum und sprangen in die Pfützen. Auch ich gab irgendwann nach und rannte durch das ganze Center, immer einige Kinder im Schlepptau und irgendwann waren die Pfützen so groß, dass wir eine Wasserschlacht veranstalteten, wie das normalerweise nur im See möglich ist. Kurzzeitig hörte der regen auf und mir blieb noch Zeit trockene Kleidung anzuziehen, bevor es wieder losging, diesmal begleitet von Blitz und Donner, einer folgte dicht auf den Anderen. Diesmal rannte niemand herum und auch ich verkroch mich in mein Zimmer und als es dort zu dunkel wurde (der Strom war natürlich sofort ausgefallen), setzte ich mich vor dem Haus auf eine Bank und schaute dem Regen zu. Es herrschte Weltuntergangsstimmung und ich bin mehr als einmal zusammengezuckt. Ich fühlte mich ein bisschen wie Bambi im Wald. Nun sitze ich also in der Küche, im Zimmer könnte ich zwar schreiben, aber der Computer würde die Mücken anlocken und bald ist leider auch der Akku leer. So bleibt mir dann bald nur noch früh schlafen zu gehen. Die Köchin war zwar so nett und hat mir eine Packung Kerzen in die Hand gedrückt, doch an Feuer hat die gute Frau nicht gedacht. Ich natürlich auch erst zu spät. Aber ein Gutes hat das Ganze ja: nun habe ich endlich die Ruhe (und vor allem keine Ausrede) und kann endlich wieder einen Blogeintrag schreiben. Angesetzt habe ich schon mehrere Male, so ist es ja nicht. Aber es ist nun doch schwer nach drei oder vier Monaten anzufangen und zu versuchen zu beschreiben was einem hier alles passiert ist. Chronologisch werde ich das Ganze nicht angehen, das ist wohl auch weniger interessant zu lesen. Ich versuche trotzdem euch ein umfassendes Bild zu geben, von dem was mir in Viet Nam seit Januar so zugestoßen ist.

Das Wichtigste jedoch zuerst: es ist unglaublich viel passiert, ich habe das Gefühl einen riesigen Schritt gemacht zu haben und die Zeit vergeht genauso schnell, wie es einem immer prophezeit wird, nämlich rasend. So bleiben mir heute nicht mal mehr drei Monate bis es wieder nach Deutschland geht.

Gleich zu Beginn des Jahres 2010 hatten wir eine Evaluation mit VPV, diese ist eher weniger erfolgreich verlaufen, was vor allem daran lag, dass entscheidende Personen nicht anwesend waren und folglich die Meisten das Gefühl hatten mit ihren Verbesserungswünschen und ihrer Kritik auf taube Ohren zu stoßen oder zumindest auf Leute denen die Hände gebunden waren. Das Einzige was ich zu dem Zeitpunkt wusste, war, dass ich mein Projekt im Dezember euphorisch verlassen hatte, und sah deshalb viel in einem recht positiven Licht. Wir alle verließen das Seminar motiviert, wohl aber vor allem dadurch angetrieben, dass wir froh waren es beendet zu haben und nun wieder „nach Hause“ zu kommen. Ich machte mir auch recht wenig Sorgen, wusste ich doch, dass Rita aus der Schweiz, gerade im Projekt war und ich so also nicht alleine sein würde. Trotz aller Wiedersehensfreude schlug meine Stimmung schnell ins Negative um, als ich mir Ritas Bericht der letzten drei Wochen anhörte. So hatte sie wohl Ähnliches erlebt, wie ich in meiner Anfangszeit, die Lehrerin hatte wiederholt das Klassenzimmer einfach verlassen oder war gar nicht erst erschienen, so dass Rita also auf sich allein gestellt war. Wie ich ja sicherlich schon Mal erwähnt habe, handelt es sich hier ja nicht um eine Klassensituation, wie man es von Deutschland kennt, sondern es herrscht kaum Ordnung, wenn überhaupt, dann wird sie durch Strenge und nötigenfalls Bestrafung hergestellt, was mir im gleichen Maße unmöglich ist. Befindet man sich in dieser Situation nun noch ohne die Kinder zu kennen und mit keinerlei Kenntnis der vietnamesischen Sprache, dann ist Ritas Frustration sicher leichter zu verstehen. Auch andere Kleinigkeiten kamen hinzu, aber letztendlich musste ich gegen meine eigene sinkende Motivation ankämpfen und fand auch irgendwo die Energie das ganze als Herausforderung zu sehen und gemeinsam mit Rita anzugehen. Zum Glück war sie eine sehr disziplinierte, hart arbeitende junge Frau, was mir selbst unglaublich geholfen hat, die drei Wochen bis zu ihrer Abreise durchzuhalten. Ich glaube ich habe noch nie so hart gearbeitet, wie in dieser Zeit, denn Rita stand morgens schon gegen 6 Uhr auf, kochte Tee und saß angezogen beim Frühstück, wenn ich mich gerade aus der warmen Bettdecke wickelte. Nach ein paar Tagen wurden wir noch von einer Australierin „besucht,“ die für zwei Wochen bleiben sollte und am gleichen Tag wie Rita abreisen würde. So waren wir also nun zu dritt an der Kinderfront und arbeiteten nicht nur einen neuen Arbeitsplan aus, sondern hielten uns auch daran. Katie aus Down Under hatte zahlreiche Spielsachen mitgebracht, unter Anderem Kreise und Bilderbücher, und so hatten wir eigentlich immer zu tun mit den Kindern. Die Zeit ging dann auch recht schnell rum und ich glaube auch wenn die Anstrengung an unser aller Nerven gezehrt hat und ich auch an ein oder zwei Morgenden einfach im Bett bleiben musste, so hatten wir eine gute Zeit, im Nachhinein irgendwo auch eine der ausfüllendesten Zeiträume. Das ist eine Erfahrung, die ich auf jeden Fall in den letzten Monaten hier gemacht habe, hart arbeiten kann richtig gut tun und hält einen manchmal wacher als jeglicher Schlaf. Die Beiden reisten dann am 22. Januar ab und obwohl die Zeit zu kurz war, um sich richtig gut kennen zu lernen, so war ich doch traurig, als die Beiden das Center verließen und mich, mal wieder, alleine ließen.

So verfiel ich auch erstmal wieder in eine Art Lethargie, konnte mich nicht so recht aufraffen und freute mich so umso mehr auf den schon bald wieder anstehenden Urlaub, diesmal allerdings gezwungenermaßen, da das Center für fast 4 Wochen zumachte.

Die Tage bis dahin waren durch einige Sachen geprägt. Zum einen verbrachte ich wieder mehr Zeit im Peace house, denn ich genoss, dass ich dort nicht nur umsonst schlafen, sondern auch die Annehmlichkeiten des Internets und einer ausgezeichneten Dusche in Anspruch nehmen konnte. Zum anderen traf ich dort auch Leute, neben anderen Kurzzeitfreiwilligen auch noch ein paar VPV Mitarbeiter, mit denen ich mich während eines workcamps mit ganz vielen Koreanern in Thuy An angefreundet hatte.

Ich fuhr auch meinem Motorroller überall hin, vor allem zu Big C, um Lebensmittel für die Woche zu kaufen (Luxusartikel wie Marmelade, Milch und hin und wieder auch die teuren Leibnizkekse) und auch in die Innenstadt. Ich traf mich mal wieder mit einem vietnamesischen Freund, der allerdings auch ein wenig Englisch spricht, und dort studiert.

Die beiden größten Angelegenheit war aber die Reiseplanung und die Visumserneuerung, beides auch stark voneinander abhängig.

Zum Visum wussten wir soviel: Wir hatten bereits ein 6-Monatsvisum, welches am 19.02 auslaufen würde, und vor unserer Abreise war die Information, dass wir ein weiteres 6 Monatsvisum erhalten würden für ungefähr den gleichen Preis (in etwa 100€.

So waren wir alle verblüfft, als es hieß, die Visaregelungen wurden geändert und 6 Monatsvisa werden für uns nicht mehr ausgestellt, es gebe Bestenfalls ein 3-Monatsvisum und das auch nur für 350$(!). Leider konnte uns bei VPV keiner helfen, denn sie verstanden die neuen Regelungen selbst nicht und die Zeit lief uns davon. Wie viel Zeit und Nerven uns das ganze letztendlich gekostet hat, lässt sich hier, vor allem nach so langer Zeit, gar nicht auszudrücken, aber es war wirklich mehr als es hätte sein sollen.

Wir liefen von der Reiseagentur, die das Visa beantragen würde, bis zum Ministerium für Immigration, fragten bei anderen Organisationen nach, ersuchten die deutsche Organisation um Unterstützung, die uns zwar moralisch gewährt wurde, alles andere wurde aber versagt, wobei auch der Zeitfaktor und die strengen weltwärts –Regelungen eine Rolle spielten. Die einzige Ungehungsmöglichkeit war die Aus – und wiedereinreise nach Vietnam. Dies hört sich ja im Grunde nicht so schlecht an, denn Destinationen gibt es in näherer Umgebung zugegebenermaßen ja genug. Doch spielte neben der Finanzierung vor allem der Zeitfaktor eine Rolle. So fiel das Datum, bis wan das Visum gültig war, genau in die Tet-Woche. Tet ist das Neujahrsfest in Vietnam und neben dem Nationalfeiertag der absolut größte Feiertag hier, siehe auch Tet WOCHE. So wird also ungefähr 5 Tage lang nicht gearbeitet, sondern ausgiebig gefeiert. Die denkbar schlechteste Zeit, um das Land zu verlassen, denn die Tet Zeit ist wirklich ein einmaliges Erlebnis. Außerdem hatten wir alle individuelle Reisepläne und konnten uns kaum auf einen geeigneten Termin einigen. Wir überlegten neben Laos (da war Julia schon) und Kambodscha (Flugpreise trotz Nachbarlage zu Vietnam teuer) auch Kuala Lumpur, Malaysia (Flug billig, Aufenthalt recht teuer), letztendlich wurde es aber dann doch wieder Bangkok, weil dies einfach der billigste Flug ist und wir terminlich sowieso nur zwei Tage Aufenthalt eingeplant hatten. Letztendlich stellte sich dies aber als sehr gute Wahl heraus, warum schreibe ich gleich noch.

Ich hatte also ab der zweiten Februarwoche frei, verbrachte diese Zeit im Peace House, wo ich hauptsächlich entspannte, e-mails beantwortete und die letzten Reisevorbereitungen traf. Dann war es auch schon Mittwoch und wir flogen nach Bangkok (letztendlich dann übrigens auch nur Julia und ich, da den anderen Beiden der Termin einfach nicht passte. Sie folgen ein Wochenende vor uns).

Das Beste an dem ganzen Trip war eigentlich erstmal der Anruf, den ich am Abend vor unserem Abflug bekam, nämlich von meinem Papa. Das Gespräch verlief ungefähr so:

 

„Hallo Sissi, ich habe gehört du fliegst nach Bangkok.“

„Ja.“

„Wann denn?“

„Morgen früh.“

„Ich fliege morgen früh nämlich auch nach Bangkok.“

„AAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHH“

 

 

Hehe, ja, und auch wenn mein Papa nur einen Zwischenstopp am Flughafen in Bangkok hatte, so hatten wir die Möglichkeit uns für etwa 1 Stunde am Flughafen zu treffen!!! Sehr schön war es den Papa mal wieder zu sehen und auch Mitbringsel in Form von Schokolade und deutschen Magazinen gab es. Leider ging die Stunde dann doch zu schnell vorbei und wir mussten wieder getrennter Wege gehen, aber trotzdem war ich froh, dass wir uns getroffen hatten.

Bangkok an sich war dann nicht besonders spektakulär, hauptsächlich schliefen wir aus und aßen gut (ich jeden Tag mindestens einmal bei irgendeinem fast food restaurant, da es so etwas in Vietnam nicht gibt). Außerdem kauften wir ein bisschen ein und gingen Abends in eine Bar, wo wir uns einen Gitarrenspieler anhörten, den wir das letzte Mal schon getroffen hatten und der sich wundersamer weise sogar noch an uns erinnerte. Mit ihm verbrachten wir dann auch den Abend und unterhielten uns über alles Mögliche (er kommt eigentlich aus Thailand, ist aber in NYC aufgewachsen)..

So ging die Zeit dann auch recht schnell herum und am Freitag ging es dann schon wieder zurück in die Heimat. Am Flughafen in Bangkok trafen wir dann lustigerweise noch Frido, der im gleichen Flugzeug saß. Dann ging es mit Julia noch für eine Nacht nach Ha Noi und dann am Samstag nach Hause.

Dort war ich eingeladen drei Tage bei Co Loi zu verbringen und mit ihr und ihrer Familie tet zu feiern, also das Neujahrsfest. So gab es leckeres essen, vor allem sehr viel Hühnchen, und Trung/Chung cake (weiß nicht genau wie man das schreibt), ein klebriger Reiskuchen mit Füllung, der zusammen mit nouc mam, also Fischsauce, sehr lecker ist. Auch diese Tage gingen schnell vorüber, vor allem war ich auch viel mit packen beschäftigt, denn am 16.02, wenn ich mich richtig erinnere, ging es mit dem Flugzeug gen Süden, nach Ho Chi Minh city, wo ich von Mailinhs Papa mit dem motorbike abgeholt werden würde und wir dann gemeinsam in das Mekong delta zu Mailinhs Familie fahren würden. Ich war mir nicht sicher was ich von der Reise erwarten sollte, denn auch Mailinh war sich nicht sicher, wo es hingehen sollte und innerhalb welchen Zeitraum, was mir die Flugbuchung ein bisschen erschwert hatte.

 

Nun zu der Reise mit Mailinhs Familie. Ich möchte nicht allzu viele Worte verlieren, denn ich weiß, dass ich den besagten drei Wochen hier niemals gerecht werden kann und meine Sicht einfach zu subjektiv und viele Erlebnisse sehr persönlich sind.

Trotzdem möchte ich gesagt haben, dass diese Reise zu meinen prägendsten und lehrreichsten Erfahrungen in Viet Nam zählt und mit all den Dingen, die ich daraus mitgenommen habe, irgendwie auch zu den Besten. Dabei muss natürlich auch gesagt werden, dass man aus schlechten Erfahrungen mehr lernt, als aus guten, was ich aber keinesfalls auf die ganze Reise beziehen möchte. Ich denke noch immer oft an die Zeit im Süden zurück und beginne erst jetzt vieles zu verstehen, was mir damals noch unklar war.

Zu meinen absoluten Höhepunkten zählt für mich das Ramfest in einem kleinen Dorf in der Nähe von Mailinhs Familie, wo wir als einige der wenige Glücklichen von dem Balkon einer Pagode zusehen durften, wie gefühlte hunderte von Kindern eine auf Stelzen gebaute Holzbühne hinauf kletterten, um sich möglichst viele der von verschiedenen Familien gespendeten und wie Bäume drapierten Süßigkeiten zu sichern. Erfahrungen wie diese sind wohl einmalig und ohne Mailinhs Familie hätte ich sie nie erleben dürfen. So bin ich in allererster Linie dankbar, dass sie mich Anteil haben lassen und mich in den Kreis ihrer Familie aufgenommen haben, ohne Fragen zu stellen und mit Geduld und Nachsicht einiges auf sich genommen haben, um alle zufrieden zu stellen. Dass bei so vielen Menschen, die sich letztendlich doch noch nicht besonders lange kennen, und mit unterschiedlichen Erwartungen an eine Sache herangehen, diese ohne Konflikte abläuft, ist sicherlich zu viel verlangt. Seit der Zeit im Süden habe ich so unglaublich viel mehr über Viet Nam gelernt, vor allem von der Sprache. So hoffe ich, dass es in Deutschland zu einem Wiedersehen kommt und grüße hiermit meine vietnamesische Adoptivfamilie und zukünftige erste Anlaufstelle, wenn mich in Deutschland die Sehnsucht nach der zweiten Heimat überkommt, Mailinhs Familie (die ich auf meinem Blog nicht weiter namentlich nennen werde, aber ich bin mir sicher, alle Beteiligten, wissen wer gemeint ist).

Con chuc chu, co va hai chi gai vui ve, khoe va hanh phuc!! Hen gap lai! : )

 

Nach der Reise kam es dann zu einer weiteren Schicksalshaften Begegnung, diesmal mit zwei Schwestern aus Australien, Rachel und Hayley. Definitv Marie-Material, wenn natürlich niemand Marie aus Kanada ersetzen kann, so waren diese Beiden Freiwilligen, die für zwei Wochen bleiben sollten, mit ihrer aktiven, aufgeweckten Art, wirklich genau das, was ich gebraucht hatte. Ich war froh nach der langen Abwesenheit nicht alleine im Center zu sein und noch glücklicher, als mir die Beiden dann eröffneten, dass sie zwei Monate bleiben würden!! Wir hatten wirklich eine gute zeit zusammen, wenn auch Rachel, die ebenso wie ich sehr direkt sein kann, hin und wieder mal diskutierten, so hatten wir doch hauptsächlich großartige Konversationen im wahrsten Sinne über Gott und die Welt. So kamen wir aus sehr unterschiedlichen Welten und fanden doch zahlreiche Gemeinsamkeiten. Auch bei den Kindern haben die Beiden einen starken Eindruck gemacht und auch jett, wo sie wieder fort sind, wird noch oft nach ihnen gefragt.

Die Beiden hatten trotz ihrer unterschiedlichen Art, so war Hayley im Vergleich zu ihrer Schwester eher still und nachdenklich, ein beneidenswertes Verhältnis zueinander und ich habe wirklich viel von den Beiden gelernt. Anfang Mai verließen sie dann auch leider Thuy An schon und machten sich auf in Richtung Nordvietnam und dann Laos und Kambodscha. Bei mir stand Mitte Mai dann wieder mal ein „visa – run“ an, wir mussten also das Land verlassen, da am 12.Mai unser Visum auslaufen würde. Wir standen also mal wieder vor dem gleichen Problem, diesmal schafften wir es allerdings zu dritt eine Reise zu planen, nach langem überlegen, (erst wollten wir nach Myanmar, dann überlegten wir wieder nach Thailand, Beide Länder stellten sich aber zu diesem Zeitpunkt als eher gefährlich heraus) entschieden wir uns für einen, dank einem Sonderangebot von Tiger Airways, billigen Flug nach Singapur. Dies war im Nachhinein eine gute Entscheidung. Über Singapur möchte ich aber ein anderes Mal mehr schreiben, mir läuft jetzt langsam die Zeit aus und es gibt noch einiges was ich erzählen möchte.

 

Nachdem ich also nach zwei Wochen Mitte Mai aus dem Urlaub zurückgekommen war, gingen die ersten zwei Tage noch etwas langsam, ich packte vor allem aus, wusch Wäsche und begrüßte der Reihe nach die Kinder. Mein Zimmer brachte ich soweit es ging auf Vordermann und dann war auch das Wochenende schon wieder da, wo wir Samstagabends Fußball gucken wollten und es dann auch zu viel mehr nicht gereicht hat, da die meisten Spiele ja hier Mitten in der Nacht anfangen. So kamen wir vor 6 Uhr nicht ins Bett und um 10 Uhr stand ich schon wieder auf, denn ich musste noch in die Stadt und wollte rechtzeitig zurück nach Thuy An.

Irgendwie schaffte ich dann aber doch erst den letzten Bus um 6 und kam so erst gegen 9 Uhr todmüde dort an und fiel auch recht bald ins Bett. Montag war dann noch recht langsam, aber ab Dienstag ging es dann bergauf und ich fand wieder in meinen Arbeitsrythmus.

 

Neuere Entwicklungen gibt es einige, vor allem in meiner Arbeit. So habe zum einen noch eine Art weiteres Projekt, in dem ich ein Mal die Woche arbeite und zum anderen haben sich auch in meinem Projekt selbst Neuerungen ergeben.

Erstmal dazu: So habe ich mir also selbst in meinem Projekt neue Arbeitsnischen aufgetan, wie vor allem in der Großküche. Dort helfe ich jetzt fast jeden Nachmittag ungefähr eine Stunde aus, weniger mit dem Kochen, als mit dem Abwasch und meinem Lieblingsteil, den Reis aus dem „Ofen“ holen, mit einem Holzstab durchziehen, um Klumpenbildung zu verhindern und dann in eine große Schüssel schauffeln, die dann in den Essenssaal getragen wird. Da ungefähr 120 Kinder hier täglich essen, wird dementsprechend viel Reis gekocht und die Prozedur wiederholt sich mehrere Male, so dass ich gut ins Schwitzen komme. Danach werden die Behälter, in denen der Reis gekocht wird, geschrubbt und gespült, wobei ich auch mithelfe. Dann muss der Boden gefegt und gewischt werden und Wasser in die großen Töpfe gefüllt, zum einweichen, damit sie später besser gespült werden können. Ich helfe also mit wo es geht und gehe dann zu den Kindern, die nicht alleine essen können, um dort mitzuhelfen. Dann ist es auch ungefähr 5 Uhr und mein Arbeitstag, zumindest der Nachmittag, neigt sich dem Ende zu. Donnerstags helfe ich nun morgens immer im Garten mit und rupfe dort fleißig Unkraut aus der Erde.

Seit einiger zeit ist Donnerstag auch mein traditioneller Saubermachtag, nach der Gartenarbeit habe ich meist noch etwa eine Stunde, bevor es Mittagessen gibt. In dieser Zeit fege ich vor meinem Zimmer, wische den Boden im Bad und räume generell alles auf. Spätestens jetzt wird die Wäsche gewaschen und auf einer Leine vor meinem Zimmer zum Trocknen aufgehangen.

Dann helfe ich noch mit den Tisch zu decken und dann gibt es auch schon essen. Danach bin ich dann immer eine ganze Weile mit dem Abwasch beschäftigt und dann ist auch schon meine Mittagspause, in der mir nun wirklich nur noch selten langweilig wird.

Auch mein Vietnamesisch geht voran, ich habe einige Freunde, die kaum Englisch sprechen und mit denen ich mich praktisch nur auf Vietnamesisch unterhalte und ich habe auch angefangen vietnamesische Geschichten (ähnlich wie Märchen) zu lesen und mir zu übersetzen. Ich mag die Sprache sehr gerne und auch wenn ich das Gefühl habe, kaum etwas zu wissen, so weiß ich doch, wie groß die Fortschritte sind die ich gemacht habe und wenn ich eine Konversation mit jemandem führe und verstanden werde, dann fühle ich mich immer ganz beschwingt und glücklich.

 

 

 

Was jetzt die nächsten Tage und Wochen erstmal ansteht sind die Unibewerbungen.

In etwas über einer Woche kommt dann noch mal ein work camp nach Thuy An, was sicher lustig wird. In etwa drei Wochen am 20.06 fängt dann unsere Abschlussevaluation an, die für eine Woche stattfindet, wo steht noch nicht fest bzw. weigern wir uns an den gleichen Ort zu fahren, wie das letzte Mal.

Dann ist auch schon Juli. Milli hatte sich kurzzeitig überlegt für ein oder zwei Wochen hierher zu kommen und in meine Arbeit reinzuschauen, mal sehen, ob das klappt. Ansonsten ist im Juni ja auch die WM, was aufgrund der Zeiten für mich einige durchwachte Nächte bedeutet. Allerdings bin ich schon super aufgeregt, wir fangen bald an zu wetten und ich animiere schon alle Leute im Center für Deutschland mitzufiebern.

Die Wochen werden also schnell vergehen und so groß die Freude auf Zuhause ist, so macht es mir trotzdem Angst, denn ich habe mich so an alles hier gewöhnt und möchte noch so viel erleben. Jetzt da man sich gerade richtig wohl fühlt, soll man bald wieder gehen. So ganz will das jedenfalls noch nicht in meinen Kopf und auch wenn mein Rückflugticket schon fest gebucht ist, so weiß ich, dass mit Vietnam nicht so schnell aus dem Kopf gehen wird und ich auf jeden Fall noch mal für einige Zeit hierher zurück möchte.

 

 

Auch ein Rückblick auf die Zeit heute vor einem Jahr ist angebracht. Heute vor einem Jahr haben wir nämlich Abitur geschrieben, waren sogar fast fertig. Nach all der Aufregung und der Anstrengung ist es schwer vorstellbar, dass das alles schon wieder so lange her ist und wir uns jetzt nicht mehr Abiturienten nennen können, denn das sind ja jetzt die Abiturienten 2010.

Ha, ich bin jetzt ein Altabiturient.

 

Hiermit beende ich jetzt erstmal diesen Blogeintrag, auf den ihr ja wirklich lange gewartet habt und ich hoffe er gefällt euch.

Ich freue mich über Kommentare,

 

ganz liebe Grüße

 

Sissi

 

 

 

 

 

27.5.10 10:36

Werbung


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


michaela Nicolaisen (26.6.10 13:36)
Hallo floh,

gerad haben wir telefoniert...viel sehnsucht
meinerseits dich endlich wieder zu sehen...
aber man kann die wochen ja schon zählen :-)))

deinen blog fand ich wie immer sehr interessant,
obwohl ich die meisten dinge ja schon vom telefonieren
kenne...allein wie du den regentag beschreibst: es ist,
als ob man dabei gewesen ist!!!!

hab noch eine erfüllte zeit dort und pass immer auf dich auf !!

In liebe, deine mami


schüni (11.7.10 17:43)
hey sissi...
habe gerade deinen doch sehr "kurzen" eintrag gelesen und finds mal wieder cool... bekomme ich gleich wieder fernweh, auch wenn ich erst wieder eine woche zurück bin...
noch ne schöne restliche zeit in vietnam... :-D
wann kommsten du eig genau wieder?
lg schüni


Sissi (17.7.10 13:38)
Hey Schüni,

danke , freu mich, dass du noch mitliest, also einmal schreibe ich sicherlich noch, bevor es dann in ca. 5 Wochen nach Hause geht.

Freu mich!!!

lg Sissi

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen